I am eagle - Schwebende Preziosen auf Papier
Von Klara Zimmer, Frankfurt
Schon als Kind wollte German Titow Pilot werden, wie sein Onkel. Er trat im Alter von 17 Jahren der sowjetischen Luftwaffe bei und absolvierte dann die Flugschule in Kustanai. Er bestand alle Prüfungen und war ab 1960 Mitglied der ersten Kosmonautengruppe, die aus 20 jungen Männern bestand. Unter dem Rufzeichen Orjel (Adler) startete er am 6. August 1961 mit dem Raumschiff Wostok II zum zweiten orbitalen Raumflug der Geschichte. Seine Erlebnisse hielt er in Form von tagebuchartigen Aufzeichnungen fest: klar gegliederte, fein geschriebene, mit Wölkchen umrandete Wörter; Sternenstaub und präzise Beschreibungen seiner Eindrücke im Weltraum mit Bleistift auf Papier.[1] Es ist der klare und schier schlichte Blick von oben, der die nahezu schwerelosen Bilder des Künstlers miteinander verbindet. Wie die Sterne am Himmel, leuchtet jedes Bildelement in einer Einzigartigkeit, die nur bei Nähe erkannt werden kann. Wie einzelne Kostbarkeiten verteilen sich die Bildelemente über die Landschaft des Papiers. Man ist froh, sie vorzufinden, denn sie erwecken beim Betrachten ein Gefühl, etwas Vertrautes wiederzuerkennen. Das kann man gut gebrauchen, wenn man so weit entfernt einer Heimat weilt. Aus der Sicht Tittows sind die Figuren und Formen des Kosmos Zeichen einer unbekannten Welt, die erst dechiffriert werden müssen, um sie verstehen zu können. Alles ist neu nachzuvollziehen –und erscheint dann so, wie man es sich schon immer vorgestellt hat: Überraschungen jagen andere Überraschungen, Vasen im Küchenregal erscheinen auf den zweiten Blick als verschiedene Frauen die gleich aussehen und jeder ist Dachfürst allein in seinem Garten. Kein Ruf eines Rotkehlchens ist ihm zu leise, kein Glück und Unglück eines Möbels zu gering. Rißler-Pipka schreibt, (es) „erschafft ein Handwerker nur eine Nachahmung der Idee des Tischs, niemals aber den Tisch selbst“ [2]. Der sichtbare Tisch ist also nichts als Nachahmung der Wahrheit und stammt somit aus der Welt des Scheins, bar jedes Originalitätscharakters. Des Malers Bildabsicht ist es, sich diesem inneren Charakter auf seiner Suche nach dem wahren Bild anzunähern. Dies gelingt ihm von Zeichnung zu Zeichnung stets ein wenig mehr. Dabei verleiht er den Gegenständen vorübergehend die Weihe der Individualität, denn jeder Tisch ist sich selbst der nächste.
Die Bilder von Peter Bux sind denen German Titows nicht unähnlich. Titow war übrigens Ehrenbürger der Stadt Leipzig.
[1] German Titow: 700000 Kilometer durch den Weltraum, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau o. Jahr, S. 65
[2] Rißler-Pipka, Nannette: Das Frauenopfer in der Kunst und seine Dekonstruktion, Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2005, S. 52


























