Kurzbeschreibung
„meneh meneh tekel u pharsin“ bildet wörtlich u.a. eine statistische Aussage: Viel > wenig > nichts. Für diese Darstellung wurden in ihrer Größe abnehmende Flächen aneinandergereiht, deren ausgreifende, gerade und eingezogene Konturen die jeweilige Tendenz anzeigen. Der Formschnitt wurde in einer elektronisch steuerbaren Folie ausgeführt und auf der Wand montiert. Davor wurde ein Heizkörper angeschlossen.
Das Leuchten pulst langsam.
Hintergrund
1.
Menetekel (aramäisch: meneh meneh tekel u pharsin), ist der noch immer populäre Begriff eines Warnungszeichens. Zurück geht dieser auf eine geisterhafte Schrift, die dem babylonischen König Belsazer (Altes Testament, Buch Daniel, 5) an der Wand erschien, während er ein Gelage gab. Als einziger Prophet konnte Daniel die Zeichen deuten.
Minen und Schekel waren Gewichte bzw. Währungseinheiten, Upharsin kommt von "paras" = scheiden. Daraus ergibt sich folgende Deutung: Das babylonische Königtum war einstmals eine Mine wert, später nur noch einen Schekel, und nun bist Du - Belsazer - bloß noch eine Scheidemünze, also Kleingeld.
Da das Aramäische eine Konsonantenschrift ist, können mit anderen eingeschobenen Vokalen auch andere Worte gebildet werden wie: Gezählt, gewogen und für zu leicht befunden.
In der jüdischen Vorstellung vom himmlischen Gericht werden die guten wie schlechten Taten mit einer Waage gewogen und wenn die schlechten überwiegen, ein negatives Urteil gefällt. Wenn jemandem hier also etwas "fehlt" (andere Übersetzung als "zu leicht"), dann fehlen die guten Taten und er wird (wahrscheinlich) demnächst sterben.
Das letzte Wort an der Wand war „PARSIN“. Der Prophet Daniel gebrauchte die Singularform „PERES“, wahrscheinlich weil er sich an nur einen König wandte. Die Buchstaben lassen die Wortbedeutungen „Teilungen“ und „Perser“ zu. Daniel sagte somit den Untergang des babylonischen Reiches voraus. König Belsazer wird in derselben Nacht umgebracht, sein Reich geteilt und den Medern und Persern gegeben. - zusammengestellt aus versch. Recherchen 2007
2.
Gefahren verbergen sich im modernen technisierten Alltag besser wegen der Annahme, höhere Absicherungsstandards würden besseren Schutz bieten. Die Zeichen von Gefahren verbinden sich mit dem Harmlosen, verbergen sich in der zunehmenden äußeren Lebenskomplexität, werden unsichtbar hinter beruhigender Versorgung, sicheren Vorschriften, Überwachung, Prüfsiegeln und Überfluss. Das alles wirkt befreiend auf den dafür dankbaren Menschen der glaubt, Gefahren immer mehr aus seiner Wirklichkeit drängen zu können. Doch gibt es keinen Grund, den Anzeichen heute weniger zu trauen oder auf Minderung der prophezeiten Folgen hoffen zu können. Statistische Aussagen erweisen sich u.a. täglich als Warnzeichen für Katastrophen, die nur zur rechten Zeit hätten gelesen werden müssen.
Die Sorglosigkeit folgt aus Erfahrungen, die ohne Verhältnis zu Gefahr entstanden. Unser durch andauernde Versicherung fehlgeleitetes Gefühl lässt uns die Auswirkungen von z.B. Blitzschlag, Elchen, Erdnußallergien, Bienenstichen, und in Brand geratenen oder geschmolzenen Schlafanzügen gering erscheinen. Doch starben daran in jedem Jahr mit Ausnahmen von 1995 und 2001 mehr Amerikaner als durch Terroranschläge (nach Steven Pinker).
Gefahren sind das, wovor wir bereit sind uns zu fürchten.





